St. Petersburger Knabenchor in St. Jodok Ottenau

Eine Bläsergruppe des Musikvereins Harmonie bereicherte das Programm – Foto: Wessel

Wohltuende Einstimmung auf die Weihnachtszeit

Der St. Petersburger Knabenchor gastierte mit einem eindrucksvollen Konzert in der Pfarrkirche St. Jodok

Ungemein vielfältig und ausnehmend schön war ein vorweihnachtlich gestimmtes Konzert in der Ottenauer Pfarrkirche St. Jodok, in dessen Zentrum der St. Petersburger Knabenchor stand. Bereits bevor die jungen Sänger mit Kerzen in der Hand zum gemeinsam gesungenen Adventslied „Macht hoch die Tür“ in den Chorraum der Kirche einzogen, konnte Udo Heidt, der durch das Programm führte, eine ganze Reihe musikalischer Kostbarkeiten ankündigen. Die erste davon bot der Organist Holger Becker mit einer klanggewaltigen und abwechslungsreichen Toccata über das Lied „Tochter Zion“ aus der Feder des holländischen Organisten Willem van Twillert. Markant phrasiert und interessant registriert gestaltete Becker damit einen festlichen Auftakt des Abends.

Danach stellte sich der Männerchor der Sängervereinigung Ottenau auf und sang unter der Leitung von Bernhard Stephan kultiviert und dynamisch gut abgestuft eine Motette und das im Stil sanfter Popmusik arrangierte Lied „Ein Licht ist dir geborgen“. Dazwischen erklangen bekannte Weihnachtslieder, gespielt von einer Bläsergruppe des Musikvereins Ottenau.

 
Die „Engelstimmen“ des St. Petersburger Knabenchors – Foto: Wessel
 

So war das Publikum bestens vorweihnachtlich eingestimmt. Der St. Petersburger Knabenchor knüpfte daran an mit herausragenden und bekannten Werken der Geistlichen Musik, durchweg aus der Zeit der Romantik. Nach einem Chorsatz „Lobet den Namen des Herrn“ und Franz Schuberts berühmtem „Ave Maria“ erklang ein Chorsatz aus einem Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy. Schon in diesem ersten Block schlug der St. Petersburger Knabenchor unter der Leitung von Wadim Ptscholkin das Publikum in seinen Bann. Glockenrein und strahlend die hohen Stimmen, kernig und klar die tiefen, und alle zusammen pflegten eine Gesangskultur, die auch schwierigste Chorsätze mühelos meisterte.

Holger Becker an der Orgel – Foto: Seher

Noch einmal war nun die Orgel zu hören mit interessanten Fantasien und Variationen über das Lied „You Raise Me Up“, die sanft begannen, sich immer weiter steigerten und schließlich mit großer Klanggewalt endeten.

Im nächsten Block bot der Knabenchor volkstümliche Weisen, vermied es aber auch hier, wie im gesamten Konzert, in die Nähe dessen zu geraten, was man hierzulande unter folkloristisch geprägter russischer Chormusik versteht. Zunächst erklangen Lieder aus der Ukraine und aus Russland, danach kamen deutsche Weisen, unter anderem das Lied „Heimatglocken läuten“. Hier wie auch schon bei den Chorsätzen aus der deutschen Romantik konnte man übrigens staunen, wie perfekt die jungen Sänger die deutschen Texte auswendig vortrugen.

 

Gedanken zum Advent machte sich Pfarrer Matthias Weil. Er verband die adventliche Sehnsucht nach Ruhe und danach, sich selbst wieder auf die richtige Spur zu bringen mit dem Wunsch, sich von dieser Sehnsucht nicht durch Termindruck und vorweihnachtliche Hektik abbringen zu lassen.

Im nächsten Block schlugen die Sänger nochmals ein musikalisch neues Kapitel auf. Diesmal erklang zunächst ein temperamentvoller, gewaltiger Chorsatz aus Carl Orffs „Carmina burana“. Danach nahm sich der Knabenchor den berühmten Gefangenenchor aus Verdis Oper Nabucco vor, der in ihren Kehlen ganz frisch und ohne die oft überstrapazierte Sentimentalität daher kam.

Der St. Petersburger Knabenchor – Foto: Seher

Damit aber war die musikalische Bandbreite der St. Petersburger Sänger noch lange nicht ausgeschöpft. Wilde, ungezügelte Urwaldgeräusche leiteten ein sehr bekanntes Lied aus Südafrika ein und beendeten es auch wieder – ungewohnte Klänge in einer Kirche, die aber vom ohnehin schon begeisterten Publikum erfreut aufgenommen wurden.

Am Schluss des Programms stand schließlich mit dem „Hallelujah“ aus Georg Friedrich Händels „Messias“ eines der ganz großen Werke barocker Chormusik. Bevor die jungen Sänger singend und mit einer Kerze in der Hand aus der Kirche auszogen, gab es noch eine Zugabe: „O du fröhliche“. Dabei waren die Zuhörer ab der zweiten Strophe zum Mitsingen aufgefordert, was das Gefühl, nicht nur ein wunderschönes Konzert, sondern auch eine wohltuende Einstimmung auf die weihnachtliche Zeit erlebt zu haben, noch verstärkte.

Zum Abschluss wurden gemeinsam Weihnachtlieder gesungen – Foto: Seher
Karl-Heinz Fischer in den Badischen Neuesten Nachrichten vom 17. Dezember 2018
Hinweis:
Zwei Videos mit dem St. Petersburger Knabenchor in der Kirche St. Jodok sind auf Facebook Gaggenau mit Datum vom 14. Dezember zu sehen.

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